Evaluation

Die Evaluation dient im Rahmen der Inklusionsorientierten UNI-Klasse nicht nur der seminarinternen Evaluation der erarbeiteten und erprobten Lernumgebungen,, sondern erhebt darüber hinaus Anspruch Auswirkungen auf die Einstellungen der Studierenden bezüglich inklusionsorientierter Settings zu erheben. 

Sie verfolgt somit zwei Ziele:

 

  1. Verlaufsevaluation: Studierende erproben die entwickelten Lernumgebungen und werden dabei videographiert. Durch die Analyse des Videos kann die eigene Unterrichtsplanung und dessen Verlauf reflektiert und gegebenenfalls verändert werden. 
  2. Begleitforschung: Die Einstellungen und Haltungen der Lehramtsstudierenden gegenüber Inklusion und einer Unterrichtsentwicklung und -erprobung  in inklusiven Settings werden erhoben.

 

Begleitforschung

Dieser dritte Pfeiler der Inklusionsdidaktischen UNI-Klasse soll nicht nur in der seminarinternen Evaluation der erarbeiteten und erprobten Lernumgebungen bestehen, sondern erhebt darüber hinaus Auswirkungen auf die Einstellungen der Studierenden bezüglich inklusionsorientierter Settings.

 

Die Begleitforschung bezieht sich auf die Durchführung des Seminars im Zeitraum von 2017-2019. Teilnehmende waren Studierende des Grundschullehramts und der Lehramts für Sonderpädagogik. Zum Einsatz in dem jeweiligen Vorher-Nachher-Design kamen die Fragebögen EFI-L (Einstellungsfragebogen zu Inklusion für Lehrkräfte, Seifried 2015) und TEIP (Teacher Efficacy for Inclusive Practice, dt. Version Feyerer u.a. 2013). Insgesamt konnten sowohl in Bezug auf die Einstellungen zur Inklusion als auch in Bezug auf die Selbstwirksamkeit im inklusiven Unterricht signifikante Zuwächse nach dem jeweiligen Seminar verzeichnet werden. Beispielsweise wurden auf den Unterskalen des EFI-L eine höhere Bereitschaft zu inklusivem Unterricht festgestellt; n=53, p<.05, α=.79 und eine positivere Einstellung gegenüber der fachlichen Förderung im inklusiven Unterricht p<.001, α=.74.

 

Bei den Items zur Selbstwirksamkeit (TEIP) konnten ebenfalls signifikante Zuwächse auf den Unterskalen gefunden werden: Die Studierenden gaben zum zweiten Messzeitpunkt z.B. ein höheres Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten für eine individualisierende Unterrichtsgestaltung an (p<.05, α=.63) und ein höheres Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten im wirksamen Umgang mit störendem Verhalten (p<.05, α=.76).

 

In einem Teil des Fragebogens werden Profile von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf vorgestellt, wobei die Studierenden u.a. zur Frage Stellung nehmen sollen, ob sie sich eine Beschulung eines solchen Kindes in einem inklusiven Setting vorstellen können (Kind A: Förderschwerpunkt Lernen, Kind B: schwer mehrfach behindert, Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, wird über Sonde ernährt, Kind C: hochbegabt, sozio-emotionaler Förderbedarf, Kind D sehbehindert, nutzt die Braille-Schrift). Eine Auswahl erster Ergebnisse werden hier abschließend vorgestellt:

Die Grafik zeigt, dass sich die Studierenden der Regelschule durch das Seminar eher zutrauen, Kinder mit Lernbehinderungen (Kind A) und Kinder mit sozio-emotionalem Förderbedarf (Kind C) in einem inklusionsorientierten Unterricht unterrichten zu können. Hinsichtlich ihrer Befürchtungen eines Unterrichtens in einer inklusiven Schule befragt, geht erfreulicherweise die Angst vor Überforderung deutlich zurück


Die Beschäftigung mit den Grenzen der Zuteilung individueller (persönliche Überforderung), pädagogischer (Berücksichtigung individueller Bedürfnisse) und gesellschaftlicher (Ausgrenzung, Rahmenbedingungen) Ressourcen, kann Einstellungen auf individueller und pädagogischer Ebene positiv beeinflussen. 


Die Daten der Begleitforschung machen zuversichtlich, dass die Seminarkonzeption der Inklusionsdidaktischen UNI- Klasse tatsächlich Einstellungen gegenüber inklusionsorientierter Unterrichtsplanung und –durchführung positiv beeinflussen kann und zur Entwicklung einer inklusionssensiblen Haltung zukünftiger Grundschullehrkräfte beitragen kann. 

Literaturangabe:

Feyerer. Ewald; Reibnegger, Harald; Hecht, Petra; Niedermair, Claudia; Soukup-Altrichter, Katharina; Plaimauer, Christine; Prammer-Semmler, Eva; Moser, Irene; Bruch, Sabine (2013): Deutsche Version SACIE-R 2013 & TEIP. http://dx.doi.org/10.23668/psycharchives.454

 Frey, A., Grasy, B. (2019): Klassenführung im inklusionsorientierten Unterricht als Aufgabe der Lehrerbildung. In: Tagungsband „Diversität und soziale Ungleichheit – Herausforderungen an die Integrationsleistung der Grundschule“ DGfE-Tagung der Kommission Grundschulforschung und Pädagogik der Primarstufe 2018.

 Seifried, Stefanie (2015). Einstellungen von Lehrkräften zu Inklusion und deren Bedeutung für den schulischen Implementierungsprozess – Entwicklung, Validierung und strukturgleichungsanalytische Modellierung der Skala EFI-L. https://opus.ph-heidelberg.de/files/140/Dissertation_Seifried_Stefanie.pdf